Scala #63 – Rufus Coates & Jess Smith

Die Musik so dunkel wie unser Wohnzimmer

(English below)

Jess und Rufus kamen direkt aus Österreich zu dem letzten Konzert ihrer aktuellen Tour. Sie fuhren pünktlich zum Carrot Cake und Kaffee vor. Beides konnten wir mit großer Freude in der Sonne auf der Terrasse genießen.

Kurz vor Konzertbeginn füllte sich das Haus und mit 23 Gästen waren alle Plätze gut gefüllt. Musikalisch ordne ich Rufus Coates und Jess Smith im Blues und der Bluegrassbewegung der 1930er und 1940er Jahre ein. Rufus’ große Vorbilder sind wie er erzählt neben den Helden der Vorkriegszeit aus dem schwarzen Amerika auch Bob Dylan und Leonard Cohen.

Das Set startete dann auch in dieser Tradition. Ich fühlte mich an die AMIGA Platten des Folk Blues Festivals erinnert, die es ja in Fülle gab. Titel für Titel kamen dann auch andere Einflüsse zutage, was blieb war Schwere über der Musik. Die Dunkelheit unseres Zimmers füllte sich mit Rufus’ tiefer Stimme und der unglaublich umfangreichen von Jess.  

Nach der Pause schien es, als wollte Rufus die tiefsten Tiefen seiner Stimme ausloten. 

Jess hingegen gab mit einem a-capella gesungenen „Chewin’ On This Rope“ einen Gänsehautmoment ihres Stimmumfanges. Hier hätte es nicht mal ein Mikrofon gebraucht, so fegte der Song über uns hinweg. Nichts weiter als diese beiden Stimmen, eine Gitarre und ein drittes Mikrofon für manche von Jess engelhaft gehauchten Noten brauchte es nicht, um uns voll in den Bann zu ziehen. Selbst das fröhliche „Cut Us All Open“ musste Rufus als solches erwähnen, weil uns die Musik selbst sonst nicht unbedingt darauf gestoßen hätte, dass dieser Titel voller Dankbarkeit von dem Willkommen der Berliner Community handelt. Vor gut 3 Jahren sind Rufus und Jess von Irland nach Berlin gezogen und touren seitdem durch Europa. Ihr aktuelles Album kann man bei Konzerten bereits erwerben, offiziell veröffentlicht wird es im Oktober. Wie Rufus erzählt, haben die beiden schon Ideen für das nächste Album.

Als Meister der dunklen Magie verzauberten die Künstler das Publikum vor und nach dem Konzert mit ihrer Fröhlichkeit, die in sehr wohltuendem Kontrast zu ihrer Musik steht. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass es auch dunkle Momente sind, die die beiden zu ihren Liedern bringt – was halt zum Leben dazu gehört.

Im Dezember sind Rufus Coates & Jess Smith wieder in Chemnitz und zwar am 02.12. im Inspire auf dem Brühl und irgendwann sicher auch wieder in der Scala.

https://rufuscoates.com

English:

Jess and Rufus came directly from Austria to the last concert of their current tour. They arrived on time for carrot cake and coffee. which we enjoyed in the sun on the terrace.

Shortly before the start of the concert the house filled up and with 23 guests all seats were well filled. Musically I put Rufus Coates and Jess Smith in the tradition of blues and the bluegrass movement of the 1930s and 1940s. Rufus’ great role models are Bob Dylan and Leonard Cohen as well as the pre-war heroes from black America.

The set then started in this tradition. I felt reminded of the AMIGA records of the Folk Blues Festival from 1970s. Title by title other influences came to air, but what remained was a certain weight over the music. The darkness of our room was filled with Rufus’ deep voice and Jess’ incredibly extensive one.  

After the break it seemed as if Rufus wanted to explore the deepest depths of his voice. 

Jess, on the other hand, gave a goosebump moment to her vocal range with an a-capella sung “Chewin’ On This Rope”. Here it wouldn’t even have needed a microphone, so as the song swept over us. It didn’t need anything more than these two voices, a guitar and a third microphone for some of Jess’ angelic notes to cast a spell over us. Even the cheerful “Cut Us All Open” had to be mentioned by Rufus as such, because otherwise the music itself wouldn’t necessarily have found us that this title is full of gratitude about the welcome of the Berlin art community. About 3 years ago Rufus and Jess moved from Ireland to Berlin and have been touring Europe ever since. Their current album can already be purchased at concerts, but it will be officially released only in October. As Rufus says, they already have ideas for the next album.

As masters of dark magic, the artists enchanted the audience before and after the concert with their cheerfulness, which stands in very pleasant contrast to their music. Nevertheless, I can imagine that it is also dark moments that bring the two to their songs or the songs to them – which is part of life.

Rufus Coates & Jess Smith will be back in Chemnitz on December 2nd at Inspire and maybe sometime again to the Scala.

https://rufuscoates.com