Scala #78 – Radiator King

Am Nachmittag dringt lautes und fremdes Stimmengewirr vom Haus gegenüber an mein Ohr. Adam Silvestri steht bei unseren Nachbarn und fragt nach mir. Ja so kann es gehen, wenn das DatenRoaming im Ausland zu teuer ist. Adam kam offline immerhin bis auf ca. 15 Meter an unser Haus heran. Der Start dieser Scala-Saison konnte nicht würdiger beginnen. Radiator King ist ein äußerst sympathischer junger Mann aus Boston, der mittlerweile in L.A. lebt und Brian Viglione von den Dresden Dolls zu seiner Band und seinen engsten Freunden zählt. Routiniert stöpselt er seine akustische Gitarre und ein kleines Effektgerät an und nach nicht einmal 20 Minuten ist der Soundcheck auch schon vorbei. Das Konzert wird aus zweierlei Sicht denkwürdig bleiben: Radiator King spielt und erzählt viel über seine Songs. In den knapp 90 Minuten hören wir neben seinen Songs  Coverversionen von Bruce Springsteen, Tom Waits und Credence Clearwater Revival, womit seine musikalische Herkunft schon ziemlich gut charakterisiert ist. Hinzu kommen für mich noch der Blues und Bob Dylan, vorzugsweise bei den Songs mit Mundharmonika. Seine Show war ein Beleg dafür, dass man gute Lieder – egal in welcher Besetzung gespielt – immer daran erkennt, dass sie auch rein akustisch funktionieren. Und das hat Radiator King in einer selten gehörten Weise in der Scala demonstriert. Wir können uns auf nächstes Jahr freuen, wenn er mit einem neuen Album wieder nach Europa und Deutschland auf Tour kommt. Der zweite Punkt für einen denkwürdigen Abend war der, dass neben uns keine einzigen unserer bisherigen Besucher gekommen sind. Ich hatte glücklicherweise meinen ukrainischen Freundeskreis eingeladen, so dass wir eine knapp zweistellige Besucherzahl erreichten. Das tat der Stimmung keinen Abbruch – im Gegenteil, wir hatten einen intensiven Austausch nach dem gefeierten Auftritt. Nach einem ausgedehnten Frühstück fährt Adam weiter nach München zur vorletzten Etappe seiner diesjährigen Tour durch Europa. Später lasse ich mir die Story von Adams Ankunft aus Sicht unseres Nachbarn noch einmal erzählen und wir haben eine Menge Spaß bei den dabei aufgetretenen Miss- und Nichtverständnissen. Denn Adam spricht kein Deutsch und unser Nachbar kein Englisch.