Nach 1750 Kilometern zurück im Paradies

Ro und ich starten am Montag (11.04.2022) kurz nach 5 Uhr in der Frühe mit einem randvoll gepackten Transporter voller wichtiger Güter, die Ihr gespendet habt oder die wir von Eurem Geld gekauft haben. Kurz nach Dresden ist das Kühlwasser des Transporters plötzlich alle und wir müssen noch im Dunkeln nachfüllen. Gut dass wir Wasser dabei haben. Kurz vor der Grenze kontrollieren wir noch einmal, weil wir das Risiko eines Werkstattbesuches in Polen nicht eingehen wollen – der Wassertank ist noch voll (und hält am Ende etwa 900 Kilometer, bis wir wieder nachfüllen müssen). 

An dieser Stelle treffen wir auf eine Gruppe portugiesischer Helfer, die mit einem Truck in Richtung Ukraine unterwegs sind und selbst von den Azoren kommen. Sie sind schon über 2 Tage unterwegs.

Wir folgen der A4 durch Polen nach Osten – vorbei an Wroclaw, Katowice, Krakòw und Rzeszow. Die Autobahn führt durchgängig von Zgorzelec bis zum Grenzübergang bei Korczowa, wir biegen jedoch kurz vor der Grenze nach Süden ab und fahren an Przemysl vorbei zum Grenzübergang Medyka. Dort treffen wir nach ziemlich genau nach 8 Stunden und 860 Kilometern ein. Wir stellen das Auto auf einen Parkplatz am Supermarkt direkt am Grenzübergang ab. Eher ein zugiger und trostloser Ort gibt es rund um den Supermarkt Infostände, kleine Zeltlager und weitere Parklätze. Es hat den Anschein, dass derzeit wirklich nicht viele Flüchtende hier ankommen, jedenfalls fällt mir eher auf, dass Taxis und Kleinbusse warten, um Schutzsuchende weiterzufahren. 

Am Übergang selbst warten Autos auf die Einreise in die Ukraine, ebenso kommen auch immer wieder einige aus der Ukraine hier auf polnischer Seite an.

Nach einer halben Stunde treffen Adrian und Adriana, wie sie sich nennen, ein und stellen ihren Transporter neben den unseren.

Bevor wir mit dem Umladen beginnen, erfahren wir radebrechend, dass sie neben den Hilfsgütern für die vielen entwurzelten Familien in der Ukraine dringend auch Ausrüstung für die Soldaten benötigen. Dazu gehören Camouflage-Kleidung, feste Schuhe, Rucksäcke, Ausrüstungen wie Taschenlampen und Ferngläser.

Diesen Aspekt von Spenden und Hilfslieferungen habe ich bisher noch gar nicht bedacht.

Schnell laden wir die Hilfsgüter um, dokumentieren alles mit ein paar Fotos  und verabschieden uns dann – Слава Україні. Unsere Lieferung fahren die beiden nach Lviv, sie wird dort ausgepackt, sortiert und dann verteilt.

Ro und ich begeben uns auf den Weg zurück, wir fahren immerhin noch einmal 250 Kilometer und übernachten ziemlich platt in Krakòw. Am Dienstag (12.04) verabschieden wir uns mittags in Dresden voneinander und ich bin gegen 14 Uhr wieder zu Hause.

Insgesamt haben wir 1450 € für Hilfsgüter ausgegeben und zusammen mit den Sachspenden übergeben. Abzüglich Mietwagen, Diesel und Maut sind von den inzwischen 4125,00 € immerhin noch 1776,12 € übrig. Ro und ich haben uns überlegt, dass wir diese Summe an einen Verein spenden, der sich um ukrainische Geflüchtete kümmert, die in Deutschland angekommen sind und unsere Unterstützung brauchen. Das Geld wird dort für Dinge ausgegeben, die diese Menschen brauchen wie Lebensmittel, Kleidung, Schulmaterialien oder Dinge für die erste Unterkunft…

Wenn wir diese Spende übergeben haben, dann erfahrt Ihr an dieser Stelle davon.

Ro und ich danken Euch für Eure große Hilfe und Eure freigiebigen Spenden! Ich habe eine große Verantwortung gespürt, den Transport zu organisieren und durchzuführen. Letztendlich war es  auch eine große Freude, damit einen ganz kleinen Beitrag an Hilfe, Solidarität und Menschlichkeit zu leisten – Dank Euch und mit Euch.